Das Christentum in Asien (1/2018)

Asiatische Formen des Christentums und Theologien aus der Perspektive des Postkolonialismus

Wilfred, Felix

Dieser Beitrag stellt eine Einführung in eine kritische Analyse und Dekonstruktion asiatischer Formen des Christentums und entsprechender Theologien dar. Er erläutert hierfür einige der grundlegenden Begriffe und epistemologischen Instrumente des Postkolonialismus. Damit schlägt er einen anderen Weg als den üblichen ein und knüpft die Hoffnung daran, dass dies in einem radikaleren Sinne eine Kraft der Erneuerung für die Kirchen wird. Der Beitrag, den Asien für das weltweite Christentum insgesamt leisten könnte, wird exemplarisch anhand des einzigartigen nachkonfessionellen Weges deutlich gemacht, dem es im Kielwasser einer „Ökumene im umfassenderen Sinne“ gefolgt ist.

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Das Christentum als asiatische Religion

Francisco, Jose Mario C.

Die Darstellung des Christentums in Asien muss von der gebräuchlichen, aber verzerrenden Perspektive befreit werden, es handele sich beim christlichen Glauben um eine minoritäre, koloniale und fremde Religion. Erforderlich ist nicht weniger als die Neubeschreibung des Christentums als asiatische Religion. Daraus ergibt sich ein grundlegender erkenntnistheoretischer Perspektivenwechsel, der asiatische Christen und Christinnen als Subjekte anerkennt, die Ausdrucksformen ihres Glaubens und ihre theologischen Äußerungen wertschätzt und sie in die Lage versetzt, ihren Beitrag zur Weltkirche zu leisten durch vermittelndes Übersetzen und gläubigen Austausch mit den Christen außerhalb Asiens.

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Eine postkoloniale Lektüre von Galater 3,28

David, Pablo Virgilio S.

Paulus ruft über die Faktoren der Ethnizität, des sozialen Status und Geschlechts, welche die Galater zu spalten drohten, zur „Einheit in Christus“ auf. Verstand er diese „Einheit“ als Abschaffung aller ethnischen, kulturellen, religiösen und anderen Formen der Differenzierung? Ist das Christentum nicht eher auf einer aufrichtigen Wertschätzung von Differenzierung gegründet, bevor es überhaupt als Faktor für Einheit dienen kann? Die Ausdifferenzierung Jesu als männlich, Jude, Galiläer, Zimmermann etc. ist Teil des Mysteriums der Inkarnation selbst. Es ist ein Mysterium, dass die Kirche selbst lernen muss, dass sich zu jeder Zeit Völker neuer religiöser, kultureller, ökonomischer und politischer Weltanschauungen den Glauben zu eigen machen. Eine koloniale Lektüre von Galater 3,28 ist weder im Einklang mit, noch eine fundierte Exegese von Galater 3,28.

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Postkoloniale Annäherungen an Gal 3,27–28 für eine Vielfalt des Christentums in Asien

Wacker, Marie-Theres

Der Beitrag exploriert Gal 3,27–28 mit postkolonialen Sonden im Blick auf Sprache (griechische Abfassungssprache des Briefes selbst, aber auch Sprache der Übersetzungen), Judentum (Beschneidungsthematik auf dem Hintergrund der „new quest“), Sklaverei (eine Gemeinschaft, in der Sklaven nicht ausgebeutet werden, als „third space“) und Gender (Gal 3,27–28 wird intertextuell bezogen auf Apg 8,26–40, die Erzählung über den äthiopischen Eunuchen).

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Die Befreiung Südamerikas auf dem Nährboden des asiatischen Christentums

Irarrazaval, Diego

Von den Rändern her denken bedeutet auch einen Austausch mit nichtchristlicher Weisheit und mit einer gesellschaftlich-kosmischen Spiritualität. Dieser Beitrag handelt von lateinamerikanischen Belangen und davon, was uns Asien lehrt. Die Befreiungstheologie hat ihr Fundament in Jesus, einem semitisch-asiatischen Heiler und Propheten. Wenn man sich von neokolonialen Modellen verabschiedet, dann gibt es einen Dialog mit synkretistischen und pluralen Wegen zur Wahrheit.

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Linguistische Dominanz in der Theologie

Mesa, José M. de

Die philippinische Sprache ist die Stimme der Kultur, die mit ihren eigenen Ausdrücken spricht. Doch linguistische Dominanz, zuerst durch die spanische, später durch die englische Sprache, und die kulturelle Erniedrigung zeigen sich immer noch in der verbleibenden Macht, welche die englische Sprache in theologischen Angelegenheiten hat. Auf den Philippinen ist Englisch weiterhin die Lingua franca der Theologie. Die Vorteile des Einsatzes der philippinischen Sprache in der Theologie werden durch das „Ansehen“ und die vorherrschende Dominanz der englischen Sprache verdeckt. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Anstrengungen eines Theologen, kulturellen Stolz wiederzuerlangen, indem er den Wert der philippinischen Sprache (und Kultur) vermittelt, deren kulturelles Potenzial aufdeckt und es ermöglicht, Gott durch seine eigene Kultur zu erfahren.

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Feministische interkulturelle Ethik: Das Gespräch mit Asien

Hogan, Linda

Die feministische theologische Ethik hat mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen und besitzt heute ein hohes Maß an Aufmerksamkeit dafür, wie unterschiedlich die Erfahrungen von Frauen bezüglich sozialer Exklusion und wirtschaftlicher Marginalisierung sind – je nachdem, wie sich Hautfarbe, Klasse und Ethnie mit dem Geschlecht überschneiden. Doch ungeachtet der Vitalität des feministischen theologischen Diskurses scheint es, dass das Feld weiterhin von den Anliegen, Normen und Methoden der Theologie aus der nördlichen Hemisphäre beherrscht wird. Dieser Beitrag fragt danach, wie feministische Theologinnen aus dem Norden ihre eigene Beteiligung am herrschenden Modell überdenken können, um zu ethisch verantwortbaren Formen des Engagements für eine interkulturelle feministische Ethik zu finden.

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Das weibliche Gottesbild und die Führungsrolle der Frauen in der Ciudad Mistica de Dios

Brazal, Agnes M.

Ciudad Mistica ist eine nationalistisch-religiöse Gruppe auf dem Berg Banahaw auf den Philippinen. Sie pflegt eine hybride Mischung aus christlichen Vorstellungen und dem Glauben an Gottes Mutterschaft und die Führungsrolle von Frauen. Der Kolonialherrschaft hat sie sich zum Teil angepasst und zum Teil verweigert. Der Essay vergleicht Vorstellungen der katholischen Kirche mit denen der Ciudad Mistica. Feministische Christinnen und Christen können von Ciudad Mistica lernen, dass Gott als Mutter gesehen werden kann, ohne dies notwendigerweise mit physischer Mutterschaft und traditionellen weiblichen Eigenschaften zu verbinden. Außerdem zeigt Ciudad Mistica, dass eine weibliche Vorstellung von Gott sich auf die religiöse Führungsrolle der Frauen auswirkt und dass eine von Frauen geleitete Kirche kein Spiegelbild einer patriarchalischen Kirche sein muss. Umgekehrt scheint Ciudad Mistica sich im Laufe ihrer Begegnungen mit christlichen Feministinnen vom Glauben an die spirituelle Vorrangstellung der Frauen entfernt zu haben zugunsten eines Glaubens an die Gleichheit von Frauen und Männern nach dem Bilde Gottes.

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Andere Menschen und Gott in körperlichen Erfahrungen erspüren

Knauss, Stefanie

Dieser Beitrag plädiert für eine Rückkehr zur ursprünglichen Bedeutung von „aisthetisch“ als sinnliche Wahrnehmung für die Fortentwicklung der ästhetischen Theologie als eine Form, durch die Sinne Sinn zu schaffen. Diese Wende trägt dazu bei, die universalisierenden Tendenzen der traditionellen theologischen Ästhetik zu vermeiden, und betont die Bedeutung von Kontext und Subjektivität in unserem Theologietreiben, vor allem im asiatischen Kontext mit seiner kulturellen und religiösen Diversität. Mit Verweis auf Befreiungs- und feministische theologisch-ästhetische Ansätze und Überlegungen zum ermächtigenden Potenzial von Imagination und Schönheit argumentiert die Autorin, dass diese Form von Theologie mit ihrem Bezug auf sinnliche Erfahrungen ein Raum der Begegnung sein kann, in dem sich alternative Formen von Wissen, des Seins in der Welt und in Gemeinschaft auftun.

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Religionsübergreifender Dialog im Kontext asiatischer Religionen

Huang, Po Ho

Asien ist die Geburtsstätte vieler Weltreligionen. Seine Geschichte und seine Kultur wurden durch diese Religionen entscheidend beeinflusst. Die religiösen Traditionen Asiens haben den Menschen der Region schon immer geistliche Führung ebenso wie moralische und ethische Grundsätze für ihren Alltag geboten. Doch die Religionen sahen sich in der Neuzeit vielfältigen Herausforderungen wie Kolonialisierung und Imperialismus gegenüber. Die modernisierten Zivilisationen waren den örtlichen Gesellschaften manchmal freundlich gesonnen, oft bedrängten oder beherrschten sie diese aber und schwächten dadurch einheimische Werte, erklärten sie als belanglos oder zwangen die Menschen, ihre Grundsätze zu ändern, um überleben zu können. Religiöse Pluralität ist in Asien eine gottgegebene Wahrheit, und somit ist es eine gottgegebene Aufgabe, diese pluralistische Realität in einen Segen zu verwandeln, statt in eine Quelle für Konflikte oder Spaltungen.

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Religionsübergreifender Dialog im Kontext asiatischer Religionen

Courau, Thierry-Marie

Wie ist heute die Sendung der Kirche in Asien zu verstehen, wenn sie mit der ursprünglichen, komplizierten und endgültigen religiösen Pluralität konfrontiert ist, die den Mutterboden der Region gebildet hat, in der dann auch sie angekommen ist? Da die Kirche das Sakrament, das sichtbare Zeichen des Heils ist, hat sie eine große Verpflichtung, dem gerecht zu werden, was sie sichtbar machen und ermöglichen soll: die universale Versöhnung in Jesus Christus. Wenn Paul VI. von „Dialog des Heils“ spricht, dann meint er damit, dass sich Heilsgeschichte wirklich ereignet, wenn Menschen und Gemeinschaften ihrer Berufung zum Dialog gerecht werden. Dies kommt vor allem zum Ausdruck, wenn sie dort zum Hören bereit sind, wo die Schönheiten dessen offenbar werden, dem sie da begegnen. So offenbart die buddhistische Tradition Schätze, die nicht leicht zu begreifen sind. Eben der Vollzug des Dia-logs der Traditionen,in dem jeder Partner immer mehr von seinem besonderen Wesen offenbart, ist der Ort und das Mittel, in dem sich Heil ereignet

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Postkoloniale Begegnungen mit den indigenen Religionen für Frieden und ökologische Harmonie

Fung SJ, Jojo M.

Die postkolonialen Begegnungen asiatischer Christentümer mit den indigenen Religionen müssen sich auf einen interreligiös-kulturellen Frieden mit der Geisterwelt als der „Bühne der Ruach Elohim“ ausrichten. Diese göttliche Ruach wohnt in allem geschaffenen Leben (Theo-en-passim), und die Schöpfung dauert durch die Ruach Elohim fort (Panentheismus). Die „vielen Geister“ sind die vielfältigen, inkarnierten und kreatürlichen Manifestationen der Allgegenwart der einen göttlichen Ruach in allem geschaffenen Leben. Darüber hinaus müssen sich die asiatischen Christentümer in postkolonialen Begegnungen mit indigenen Religionen so darstellen, dass sie mit den traditionell Gläubigen in deren Kampf für den geo-ökologischen Frieden in ihrer angestammten Heimat solidarisch sind. Die indigenen Religionen müssen in den asiatischen Christentümern Bündnispartner finden für ihr strategisches Handeln gegenüber den vielen hegemonialen politischen Strategien der Nationalstaaten, die von der Vertreibung und Entfremdung von den Religionen bis hin zur Kapitalisierung ihrer Wälder und Ressourcen reichen.

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