Theopoetik (5/2017)

Theopoetik

Bingemer, Maria Clara | Lefebvre, Solange | Borgman, Erik | Babić, Mile

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Theologie in der Art, wie wir heute leben

Walton, Heather

Dieser Artikel diskutiert zwei grundlegende Richtungen in der Theopoetik der Gegenwart. Die erste bekräftigt und vertieft die theologische Tradition, die zweite fordert das theologische Denken radikal heraus. Wie mit Blick auf neuere Arbeiten über das Leben von Dorothy Day gezeigt wird, sind beide Richtungen im theologischen Nachdenken über spirituelle Lebensbeschreibungen angelegt. Die Autorin vertritt die Auffassung, dass Lebensbeschreibungen hervorragende Beiträge zur Theologie leiten können, wenn ambivalente und verborgene Aspekte der menschlichen Erfahrung in den Vordergrund gerückt werden und auf diese Weise unser Verhältnis zum Göttlichen tiefer verstehen lassen.

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Literatur – eine wichtige hermeneutische Vermittlung für die Theologie

de Palumbo, Cecilia Avenatti

Der Beitrag plädiert für eine Erneuerung der theologischen Denkweise ausgehend von der Betrachtung der Rolle der schöpferischen Fantasie, die die Literatur als eine ästhetische Tatsache kennzeichnet. Als Bewertungsgrundlage für den Stand des interdisziplinären Dialoges zwischen Theologie und Literatur wird auf die Erfolge und die Grenzen des Weges verwiesen, der seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bis heute zurückgelegt wurde. Die Ineffizienz der eingeschlagenen Wege, um eine echte Veränderung der theologischen Sprache zu bewirken, führt die Autorin dazu, andere Möglichkeiten auszuloten. Die Kehrtwendung besteht darin, dass sich die Theologie selbst im Spiegel der schöpferischen Fantasie als des Angelpunkts des Literaturschaffens ansieht, um eine Erneuerung im Prozess und in der theologischen Art zu Denken herbeizuführen. Letztlich geht es darum, die Vorstellungskraft und das Handeln wieder zur Geltung zu bringen, um die Theologie dadurch neu zu beleben, dass man ihr die schöpferische Fähigkeit als ihre ursprüngliche Quelle wieder erschließt.

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Die Poetik des Stillschweigens im Cántico espiritual des heiligen Johannes vom Kreuz

López-Baralt, Luce

Der heilige Johannes vom Kreuz weiß genau, dass die Sprache nicht ausreicht, um die mystische Erfahrung wiederzugeben, und deutet daher das Unaussprechliche, das er auf dem Gipfel der Seele erlebt hat, an, indem er seine Worte verstummen lässt, damit sie das Wunder der Vereinigung nicht entweihen. Deshalb geht er im Cántico stillschweigend über die eigentlichen Höhepunkte hinweg, die von der jenseitigen Vermählung mit Gott hätten Zeugnis geben sollen. Er verbirgt dieses kaum wahrnehmbare Stillschweigen wie einen pulsierenden Schatz in dem ehrfürchtigen Raum zwischen den Strophen der Vereinigung oder einigen Schlüsselversen des Gedichts. Auf diese Weise sorgt der heilige Johannes dafür, dass sein Dichterwort - genau wie seine Vereinigung mit Gott - unhörbar, verborgen, unantastbar bleibt. Das sind seine besten Verse: die, die er in der Sprache der Stille geschrieben und in Luft gestaltet hat, die er vor dem rauen Kleid des Wortes zu beschützen wusste und denen er Bildhaftigkeit und Metrum versagte. Diese verstummten Verse lehren uns mehr als seine wunderschönen hilflosen Worte: Sie lehren uns durch ihr ewigkeitsträchtiges Stillschweigen. Nur mit diesem Stillschweigen können wir die Größe des Geschehenen ehrfürchtig feiern: die unvorstellbare Begegnung mit dem lebendigen Gott.

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Die unendliche Lektüre – Schrift und Interpretation

Mendonça, José Tolentino

Die Geschichte der zeitgenössischen Exegese weist drei grundlegende hermeneutische Kehren auf, bei denen die Kenntnis der Literatur jeweils ein unverzichtbarer Partner war: die auf den Autor zentrierte Hermeneutik, die auf den Text zentrierte Hermeneutik und die Hermeneutik, die den Leser zum Ausgangspunkt nimmt. Diese Paradigmenwechsel bedeuteten keineswegs die Unterdrückung des jeweiligen Vorgängermodells, vielfach werden diese Modelle gleichzeitig angewandt und ergänzen einander innerhalb eines Prozesses, der die Komplexität des Deutungsaktes im Blick hat. All diese Kehren gehen von einer Grundvoraussetzung aus: Der Text ist textum, Textil, Textur, ein Weben, Gewebe, Gewebtes. Folglich kann die Interpretation nicht vom Wunsch nach einem oder vom Überstülpen eines eindeutigen Sinnes leben. Interpretieren heißt – so lehrt es uns die Literatur – das Plurale wertschätzen, aus dem der Text gemacht ist, und zwar innerhalb der einzigartigen ihm innewohnenden Dynamik. Nur dies eröffnet uns den Zugang zum Unendlichen der Lektüre.

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Dantes Theologie

Montemaggi, Vittorio

Mit Blick auf das einzigartige Zusammenwirken des unendlichen Reichtums und der tiefen Schlichtheit von Dantes Göttlicher Komödie geht Vittorio Montemaggi dem Gedanken nach, dass dieses Werk als ein besonders bedeutsames Beispiel für das Potenzial literarischer Texte betrachtet werden kann, spirituell verändernd zu wirken, wenn man darunter die Fähigkeit versteht, uns zu unserer eigenen Existenz wachzurufen, was nichts anderes als eine Manifestation der göttlichen Liebe zu uns ist.

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Grammatik des Fleisches: Eros, Poesie und Leib in Beziehung

Guerrero, Luis Gustavo Meléndez

Die Beziehung zwischen Eros, Leib und Poesie mittels der Verbindung von heiligen und profanen Schriften aufzuzeigen ist das, was dieser Beitrag als die Grammatik des Fleisches versteht: die Erzählung des Evangeliums, die Mystik und die poetische Erotik.

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Theologische Sichtweisen in der lateinamerikanischen Literatur

Velasco, Carmiña Navia

Die Literatur und die Kunst waren in ihren unterschiedlichen Formen immer auch Ausdruck des religiösen Empfindens. Die westliche Kultur vieler Jahrhunderte ist eine Kultur, die in erster Linie die christliche Welt repräsentiert. Statt von theologischen Ausdrucksformen zu sprechen, könnten wir sagen, dass das religiöse Glauben und Erleben in der Dichtung in Worte gefasst und in der erzählenden Literatur oder im Theater dargestellt worden ist. Entsprechendes gilt für die Musik und die Malerei. Lateinamerika, dessen Bevölkerung mehrere Jahrhunderte lang zutiefst katholisch gewesen ist, ist hierfür ein klares Beispiel.

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Poetik des Überlebens

Rivera, Mayra

Dieser Artikel zeigt, dass die Verbindung von Kunst und Überleben das karibische Verständnis des Begriffs „Poetik“ prägt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Werken von Derek Walcott und Édouard Glissant und auf der Erläuterung, wie deren Poetik die verheerenden Effekte des Kolonialismus und der Sklaverei in der Karibik aufdeckt – inklusive der Vorstellungswelten, die das Christentum in die Karibik gebracht hat und deren schädliche Auswirkungen. Der Artikel möchte aber auch Möglichkeiten aufzeigen, sich über diese Vorstellungswelten hinweg zu bewegen und sich auf neue Wege des Seins zu begeben.

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Der Schriftsteller und Christus: »Denn die Dichtung ist das Wort, und das WORT ist Gott«.

Sèbe, Jean-Baptiste

Auch wenn Jesus Christus für die Schriftsteller eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration gewesen ist, ist das Nachdenken über die Rolle des WORTES im literarischen Schaffen wenig erforscht. Am Beispiel dreier Schriftsteller (Hopkins, Lemaire, McCarthy) will der vorliegende Beitrag zeigen, inwiefern Jesus Christus für den Schriftsteller ein einzigartiges Gegenüber ist: Mit Wörtern verweist ihn der, der das WORT und die Rede ist, zurück an die zu entschlüsselnde Welt, in deren Glanz das unzugängliche Geheimnis Gottes aufblitzt.

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Die Verbindung von Literatur mit der Theologie: Ein asiatischer Ansatz

Ho, Huang Po

Die Literatur ist ein Ausdruck menschlicher Gedanken und Gefühle und als solche sagt sie mal mehr, mal weniger, mal ganz offensichtlich, mal eher indirekt etwas über die Verhältnisse des Zeitalters, in dem ein Autor gelebt hat oder den religiösen Hintergrund des Autors aus. Viele große Schöpfungen der Weltliteratur sind unter dem großen Einfluss verschiedener Religionen entstanden. Die Diskussion über die sogenannte “Theopoesie”, manchmal auch als „Theopoetik“ bezeichnet, im Allgemeinen und im Besonderen in Zusammenhang mit der Interpretation der Heiligen Schrift und ihrer theologischen Betrachtungsweise ist eine noch sehr junge Entwicklung in der Verzahnung von Ästhetik und Rationalität. Die Theopoesie bringt die Theologie in Dialog mit allen möglichen Formen der Ästhetik: Kunst, Literatur, Musik etc. Ihr liegt zugrunde, dass Theologen anstelle der traditionellen systematischen Theologie, welche die Natur Gottes durch wissenschaftliche Theorien zu ergründen sucht, sich in jeglichen Diskussionen über Gott mittels einer poetischen Sprache viel präziser ausdrücken können. Es wurde bereits in verschiedenen Ansätzen versucht, die Theologie mit Literatur verknüpfen, jedoch betrachten die meisten dieser Ansätze die Literatur immer noch als ein der Theologie nicht zugehöriges Thema. Die Art, wie man sich der Theologie im asiatischen Raum nähert, zeigt bis zu einem gewissen Grad deutlich die theologische Überzeugung vieler asiatischer Theologen, dass “die Identität die theologischen Mittel bestimmt ”. Kulturelle Ressourcen entstehen durch den ständigen Kampf der Menschen mit der Welt, der sie sich in ihrer Lebenszeit gegenübersehen. Kunst, Dichtungen und Literatur werden daher nicht mehr nur als Instrumente für die biblische Hermeneutik und theologische Diskurse angesehen; man geht hier mittlerweile einen Schritt weiter und nutzt sie als Quellen der Theologie.

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Theologie und Literatur im afrikanischen christlichen Glauben

Ilo, Stan Chu

Die afrikanische Theologie verwendet vielfältige Methoden und Formen, in denen sowohl Literatur als auch mündliche Traditionen kombiniert werden. Der Beitrag zeigt den Reichtum der afrikanischen theologischen Ausdrucksweisen in Geschichten, kulturellen Symbolen, liturgischer Musik, Tanz, Mimetik, Poesie und Biografie. Diese Formen der theologischen Kommunikation entstehen in formellen und informellen Zusammenhängen, innerhalb wie außerhalb der Wissenschaft. Den Text ihrer theologischen Reflexionen beziehen afrikanische Theologen aus den verschiedensten Orten: aus dem tatsächlichen Glauben der afrikanischen Christen an Heiligtümern und Heilstätten, in Kriegsgebieten und Sozialdiensten, im Rahmen politischer Kampagnen, in den sozialen Medien usw. Die wichtigste christliche Literatur ist in Afrika die Bibel. Der Beitrag geht deshalb den Zusammenhängen nach zwischen den biblischen Erzählungen, ihrer Komposition, ihrem literarischen Stil, ihrem Inhalt und der afrikanischen Glaubenswelt in ihrem spezifischen sozialen Kontext. Afrikanische Theologien greifen die Form des biblischen Texts auf, indem sie die Bewegung der Ausbreitung des christlichen Glaubens in Afrika als einen Text lesen, der wie die Bibel die Spuren Gottes in der Geschichte enthüllt.

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