Barmherzigkeit (4/2017)

Barmherzigkeit

Cahill, Lisa S. | Irrarázaval, Diego | Vila-Chã, João

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Die Verbindung zu Barmherzigkeit und Mitleid in uns

Quispe, Sofia Chipana

Jenseits aller Theoriebildungen hat die Barmherzigkeit mit den tiefen Erfahrungen und Sinngehalten in den biblischen Erzählungen und Texten zu tun, die von den Erfahrungen anderer Spiritualitäten her bereichert werden können, um sich mit den Kräften des Lebens zu vereinen und zugunsten des Lebens in Fülle und Würde aller Lebewesen zusammenzuwirken. Denn Die Offenbarung der Gottheit geht über die als heilig betrachteten Schriften hinaus.

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Das Neue Testament und die Barmherzigkeit

Okure, Teresa

Dieser Beitrag erörtert das wesentliche Merkmal der Barmherzigkeit als „des neuen Testaments“, Gottes neuen Bundes mit der Menschheit. Die Barmherzigkeit entspringt Gottes unbedingter und ungeschuldeter Liebe zu einer sündigen Menschheit, die von jeder Anklage freigesprochen ist. Jesus als das fleischgewordene Wort Gottes verkörpert und vermittelt diese Barmherzigkeit durch die Gesamtheit des Christusereignisses. Die Barmherzigkeit kommt in der Wortwahl, in der Lehre und Im Handeln Jesu und bei Paulus zum Ausdruck. Gottes Barmherzigkeit, die er der Menschheit aus freien Stücken und bedingungslos gewährt, verlangt von den Menschen, insbesondere den Christen, also den Geschwistern Jesu, eine barmherzige Gesinnung zu kultivieren und auszuüben. Dies ist der sichtbare Beweis dafür, dass Gottes Barmherzigkeit in ihnen am Werk ist.

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Die Entwicklung der Werke der Barmherzigkeit

Keenan, James F.

Dieser Beitrag geht von den beiden grundlegenden Texten der Heiligen Schrift zur Barmherzigkeit aus, nämlich vom Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25–37) und von der Gerichtsrede (Mt 25,31–46). Sie stellen die zwei unterschiedlichen Weisen dar, auf die die Kirche den Auftrag empfangen hat, barmherzig zu sein. Im Beitrag wird Barmherzigkeit als die Bereitschaft definiert, „sich auf das Chaos eines anderen einzulassen“. Es wird eine Reihe von Beispielen dafür vorgestellt, wie die Kirche andere befreit und in die Gemeinschaft integriert hat. Der Beitrag schließt mit der Behauptung, dass dieses Modell von Befreiung und Integration konstitutiv für jede Kirche ist, die die Jünger- und Jüngerinnenschaft zur Grundlage hat.

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Die Barmherzigkeit als Form der Kirche oder Weg zu ihrer Reform

Morra, Stella

Zur Eröffnung des Außerordenlichen Jubiläums der Barmherzigkeit hat Papst Franziskus in seiner Verkündigungsbulle „Misericordiae Vultus“ betont, dass das Leben der Kirche von dem Tragbalken der Barmherzigkeit aufrecht erhalten werde. Diese Aussage ist nicht bloß als rhetorische Floskel zu verstehen, sondern sie ist theologisch tief und ekklesiologisch programmatisch.Barmherzigkeit kann nicht eingeschränkt werden auf individuelle Haltungen und Handlungen, noch weniger auf persönliche asketische Praktiken, und es kann ihr auch nicht nur eine bloß sentimentale Bedeutung zuerkannt werden. Barmherzigkeit strukturiert das gesamte Leben der Kirche, nicht nur das Leben der Jünger, der Gläubigen. Barmherzigkeit ist die Form der öffentlichen, sichtbaren, historischen und strukturellen Dimension der Gemeinschaft der Gläubigen, einschließlich ihres sakramentalen Lebens. Wenn die pastorale Praxis diesen Leitlinien folgt, heißt das nicht, dass damit alle Probleme gelöst werden könnten, sondern dass damit das ganze Volk Gottes auf seinem Weg gestützt und ermutigt werden kann.

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Compassion für Gerechtigkeit

Haker, Hille

Dieser Essay vergleicht drei Konzepte von Barmherzigkeit, Compassion und Liebe. Bei Walter Kasper ist die göttliche Barmherzigkeit ein zentrales Attribut von Gottes Liebe, das die Menschen aufruft, dem Leiden mit derselben Haltung zu begegnen wie Gott. Johann Baptist Metz gibt der Compassion ihren Ort innerhalb der politischen Theologie, aber er entwickelt sie weiter zu einem zentralen Konzept der Ethik. Mit Martha Nussbaum versteht dieser Beitrag Compassion und Liebe schließlich als Brücke zwischen politischen Normen der Gerechtigkeit und den sozialen Realitäten von Unrecht und Gleichgültigkeit. Im zweiten Teil schärft der Essay die politisch-theologische Perspektive der historischen Vernunft und interpretiert »Compassion für Gerechtigkeit« als Praxis kritischer Zeugenschaft, des Widerstands und einer transformativen Solidarität. Diese Interpretation bewahrt die anamnetische Theologie von Gottes Compassion und Barmherzigkeit als die äußerste göttliche Gabe der Gerechtigkeit, die angesichts allen Vergessens und aller Gleichgültigkeit in Erinnerung zu rufen ist.

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Ein Feldlazarett nach einer Schlacht

Borgman, Erik

Das Problem mit der Barmherzigkeit liegt darin, dass sie häufig mit dem Beigeschmack des herablassenden Mitleids einhergeht. Auf diese Weise wird Barmherzigkeit zum Gegensatz von Gerechtigkeit. Seit Beginn seines Pontifikats gebraucht Papst Franziskus das Wort »Barmherzigkeit«, um auf einen zentralen Aspekt des christlichen Glaubens hinzuweisen. Für ihn bedeutet »Barmherzigkeit« anzuerkennen, dass alle Menschen im Bilde Gottes geschaffen und deshalb mit Würde bekleidet sind, die unter allen Umständen respektiert werden muss. Dies führt direkt zur vorrangigen Option für die Armen. Was an den Armen als Mangel an Würde erscheinen mag, ist das, was Papst Franziskus »die Peripherie« nennt, zu der wir uns aufmachen müssen, wenn wir Gottes Gegenwart unter uns entdecken wollen.

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Erscheinungsformen und Reichweite der Barmherzigkeit Gottes im Koran

Wielandt, Rotraud

Der Artikel behandelt die Vorstellungen, die im Koran mit dem Konzept der Barmherzigkeit Gottes verbunden sind. Er erläutert zunächst, welches Grundverständnis des Begriffes „Barmherzigkeit“ im Koran vorliegt, wo dieser auf Gott angewandt wird. Dann untersucht er den genauen Bedeutungsgehalt der drei Hauptformen, in denen nach dem Koran Gottes Barmherzigkeit wirksam wird: Gottes fürsorgliche Einrichtung der Schöpfung zum Wohle des Menschen und Sorge für dessen Lebensunterhalt, „Rechtleitung“ durch Offenbarung, Sündenvergebung. Schließlich erörtert er das Verhältnis von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes, wie es sich im Koran darstellt. Dabei wird gezeigt, dass von einer bedingungslosen Barmherzigkeit Gottes im Koran nicht gesprochen werden kann.

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Restorative Justice: Die Bande der Barmherzigkeit

Hogan, Linda

In ihrer philosophischen Grundlegung und praktischen Anwendung ist die Restorative Justice darauf ausgerichtet, den Schaden zu beheben, der den Opfern zugefügt worden ist, die Täter zur Verantwortung zu ziehen und Beziehungen in der Gemeinschaft wiederherzustellen. Sie ist von verschiedenen indigenen Traditionen unter anderem aus Kanada, den USA, Neuseeland und Afrika inspiriert und zudem stark vom Gerechtigkeitsbegriff der jüdischen und christlichen Überlieferung beeinflusst. In ihrer Umsetzung im Bereich des Strafrechts und im Bereich der politischen Versöhnung betont die Restorative Justice den Wert einer von der Barmherzigkeit durchdrungenen und ergänzten Gerechtigkeit, der die Vergebung einen neuen Inhalt gibt.

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Die Logik bedingungsloser Liebe: Barmherzigkeit aus der Sicht von Flüchtlingen

Rwezaura, Deogratias M.

Die Einladung des außerordentlichen Heiligen Jahrs der Barmherzigkeit, barmherzig zu sein wie der Vater, hat mich dazu angeregt, über die Barmherzigkeit als Name und als Tun nachzudenken. Gott ist Barmherzigkeit, weil Gott barmherzig liebt. Im vorliegenden Beitrag denke ich aus der Sicht von Flüchtlingen über die Bedeutung der Barmherzigkeit als einer Möglichkeit nach, die Stimmen von Flüchtlingen hörbar zu machen und sie - statt in ihnen nur bedauernswerte Empfänger von Barmherzigkeit zu sehen - ins Zentrum derer zu stellen, die tatkräftig nach Barmherzigkeit streben. Die zahllosen Widrigkeiten und Strapazen, die sie durchlitten haben, machen aus ihnen bevorzugte Akteure der Barmherzigkeit und Versöhnung. Sie sind wie andere Leidende auch unsere Lehrer und Führer auf dem Weg der Berufung zu einer dem Wesen und Handeln Gottes nachgebildeten Barmherzigkeit.

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Die Forderung nach dem Recht auf Barmherzigkeit: Stimmen indischer Frauen

Gajiwala, Astrid Lobo

Betrachtet man das nachsynodale apostolische Schreiben Amoris laetitia im Kontext des kürzlich begangenen heiligen Jahrs der Barmherzigkeit, inspiriert dies dazu, sich der Frage nach dem Bedürfnis nach Barmherzigkeit in der Familie zu stellen. Dieses wegweisende Schreiben ist zugleich Impuls als auch Hoffnungsträger, zeigt aber auch Schwachstellen auf, da es zum einen versäumt, die Familie als patriarchalen Bereich, in dem Frauen auf vielfältige Weise benachteiligt werden, zu kritisieren, und zum anderen geschlechterspezifische Stereotypen nicht hinterfragt, die sowohl Frauen als auch Männer einschränken. Dieser Artikel analysiert mithilfe der Geschlechterbrille die Situation in Indien, wo Frauen Bürger zweiter Klasse sind und Ehe und Familie häufig zu Instrumenten der Unterdrückung werden. Er öffnet Tür und Tor zu pastoralen Initiativen, die sich der Situation von Frauen einfühlsamer widmen.

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Ökologische Werke der Barmherzigkeit

Gonzalez, Dennis T.

Papst Franziskus hat die „Sorge um das gemeinsame Haus“ als ein neues Werk der Barmherzigkeit vorgeschlagen. Dieser Beitrag stellt einen Versuch dar, einige ökologische Werke der Barmherzigkeit, insbesondere im Kontext der Zweidrittelwelt, spezifischer zu fassen. Zu diesem Zweck macht der Autor Anleihen bei einigen Themen und Erkenntnissen aus der philippinischen Volkskultur und indigener Weisheit, biblischer Weisheit, kirchlichen Dokumenten, der zeitgenössischen Theologie, der Dichtkunst und kreativer nichtfiktionaler Literatur sowie bei den Natur- und Gesellschaftswissenschaften.

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Der Brexit und das Schweigen der Kirche

Hanvey, James

Der vorliegende Beitrag geht dem vergleichsweise ›stillen‹ Verhalten der katholischen Kirche während des Referendums (Brexit) im Vereinigten Königreich und der Frage auf den Grund, was für ein Licht dieses Stillschweigen auf die Rolle der Kirche in der Öffentlichkeit wirft. Er vertritt die Auffassung, dass sich die Kirche, wenn sie über der vertieften Auseinandersetzung mit der nationalen Frage nicht ihre universale Sendung vergessen will, an das theologische Verständnis ihrer Sendung und ihres universalen Diensts an der Menschen erinnern muss. Andernfalls droht sie zu einer bloßen ›Lobby‹ zu verkommen oder in politische Bündnisse hineingezogen zu werden, die den Sendungsauftrag gegen kurzfristige Möglichkeiten der Einflussnahme eintauschen.

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Gewaltfreie Strategien zur Reduktion von Terrorismus und gewalttätigem Extremismus

Stephan, Maria J.

Papst Franziskus ruft alle Menschen zur gewaltfreien Lösung von Konflikten und Terrorismus auf. Kann Gewaltfreiheit wirkungsvoll gegen nichtstaatliche Akteure genutzt werden, die vorsätzlich Zivilisten zum Ziel haben? Dieser Artikel beschreibt, warum gewaltfreier Widerstand mit Taktiken wie Boykotts, Streiks und Protesten historisch gesehen wirkungsvoll gegen repressive Gegner war. Gewaltfreier Widerstand kann die zugrundeliegenden Missstände, die Terrorismus schüren, ansprechen und sich mit gewalttätigem Extremismus auseinandersetzen. Es werden Wege aufgezeigt, wie die katholische Kirche praktische Alternativen zu Gewalt unterstützen kann.

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Ein Forum für Theologie, um zu widerstehen, zu erwarten und zu erfinden

Susin, Luiz Carlos

Im August 2016 fand das dreizehnte Treffen des Weltsozialforums unter dem Motto „Widerstehen, Erwarten, Erfinden – eine andere Welt ist möglich“ in Montreal statt. Nach den Versammlungen in Porto Alegre, Neu Delhi, Nairobi, Belem, Dakar und Tunis wurde das Weltsozialforum damit zum ersten im globalen Norden abgehalten. Das globale System der Gegenwart ist von Transversalität, Neoliberalismus und Kapitalismus und ihren zerstörerischen Auswirkungen gekennzeichnet, die sowohl den Norden als auch den Süden betreffen. Die Herausforderung der Zukunft besteht deshalb darin, eine vielfältige und interreligiöse Epistemologie und Politik zu entwickeln, die durch die Praxis der Dekolonisation zu einer globalen Befreiung führen wird. Außerdem braucht es neue Führungspersönlichkeiten für die neuen Generationen der sozialen Bewegungen, die sowohl heterogen als auch vielfältig vernetzt sind.

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